Was ist ein "Close Reach"? Definition, Physik und Anwendung im Segeln

In der Fachsprache der maritimen Navigation und des Yachtsports bezeichnet der Begriff "Close Reach" einen bestimmten Segelwinkel. Er beschreibt den Winkel, in dem eine Segelyacht relativ zum scheinbaren Wind segelt, und liegt zwischen einem "Beam Reach" – bei dem der Wind senkrecht zum Schiff steht – und "Close-Hauled", dem engsten möglichen Winkel zum Wind. Bei einem "Close Reach" segelt das Schiff zum Wind (windwärts), aber der Winkel ist etwas größer als bei "Close-Hauled", was eine höhere Geschwindigkeit und Stabilität ermöglicht, ohne dabei signifikant an Boden nach Luv zu verlieren.

Die technische Mechanik eines "Close Reach"

Um die Mechanik eines "Close Reach" zu verstehen, muss man das Konzept des "scheinbaren Windes" verstehen. Der scheinbare Wind ist die Windgeschwindigkeit, die an Bord erfahren wird, und ist die Vektorsumme aus dem wahren Wind (Umgebungswind) und dem Wind, der durch die eigene Geschwindigkeit des Bootes (Boot-Wind) entsteht. Beim Segeln auf einem "Close Reach" trifft der scheinbare Wind auf die Segel in einem Winkel von typischerweise 45 bis 60 Grad zum Bug. Dies ist weniger als bei einem "Beam Reach", aber größer als die 30 bis 45 Grad, die bei "Close-Hauled" beibehalten werden.

Aerodynamisch ist dieser Segelwinkel sehr effizient. Die Segel wirken als Tragflächen und erzeugen durch das Bernoulli-Prinzip Auftrieb. Da der Winkel zum Wind etwas größer ist als bei "Close-Hauled", bleibt die Luftströmung auf der Luvseite des Segels länger angelegt, was den Vortrieb deutlich erhöht und den turbulenten Widerstand reduziert. Infolgedessen erreicht eine Yacht auf einem "Close Reach" oft ihre höchste effektive Geschwindigkeit (VMG) zum Luv-Ziel, wobei Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke in Einklang gebracht werden.

Segeltrimm und -optimierung

Ein korrekter Segeltrimm ist entscheidend für das Segeln auf einem "Close Reach". Das Fokk oder die Genua sollte so getrimmt werden, dass die Tell-Tales (Windanzeiger) am Vorliek des Segels gleichmäßig nach hinten zeigen. Wenn die Luv-Tell-Tales ansteigen oder flattern, segelt der Steuermann entweder zu nah am Wind oder das Segel ist zu stark getrimmt. Das Großsegel benötigt ein moderat straffes Schothorn und eine Schotbalk, die nach Lee positioniert ist, um die richtige Segelform zu erhalten. Im Gegensatz zum Kreuzen oder Halben Wind, bei dem Spinnaker eingesetzt werden können, wird beim "Close Reach" oft ein Code Zero oder eine Genua verwendet, um den Vorwärtsschub des Auftriebs zu maximieren.

Praktische Szenarien und Beispiele

Das Verständnis, wann und wie man einen "Close Reach" einsetzt, ist ein Zeichen kompetenten Seemannsverhaltens. Betrachten Sie die folgenden Beispiele aus der Praxis:

  1. Anpassen des Kurses bei starkem Wetter: Bei der Navigation gegen den Wind in rauer See kann ein Skipper leicht von einem "Close-Hauled" Kurs zu einem "Close Reach" Kurs abweichen. Diese Technik, die als "Footing" bekannt ist, verzichtet auf einige Grad der Aufwindleistung, um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Die erhöhte Geschwindigkeit sorgt für bessere Steuerbarkeit, so dass das Schiff durch die aufkommenden Wellen fahren kann, anstatt von ihnen gestoppt zu werden. Zum Beispiel kann ein 40 Fuß langer Sloop, der Schwierigkeiten hat, ein Kap zu runden, um 10 Grad zu einem "Close Reach" Kurs abfallen, wodurch die Geschwindigkeit des Bootes von 5 auf 7 Knoten erhöht wird, wodurch die Ruderwirkung unter rauen Bedingungen aufrechterhalten wird.
  2. Taktische Navigation um Hindernisse: Stellen Sie sich eine Yacht vor, die einen Kanal mit einem Abdrift-Ziel befährt. Um die Steuerbarkeit aufrechtzuerhalten, während auf die Öffnung einer Brücke gewartet oder eine Fahrrinne passiert wird, kann der Steuermann auf einem "Close Reach" Kurs segeln. Dies ermöglicht es dem Schiff, Fortschritte gegen die Strömung zu erzielen, ohne die starken Krängungskräfte, die beim "Close-Hauled" Kurs auftreten. Wenn der Skipper die Schoten leicht löst, wird das Boot flacher, wodurch die Abdrift verringert und ein größerer Sicherheitsabstand zu den auf der Seekarte angegebenen Untiefen geschaffen wird.
  3. Verlassen einer Luvküste: In einem Notfallszenario, in dem ein Schiff eine Luvküste (eine Küste, auf die der Wind weht) verlassen muss, ist das Segeln auf einem "Close-Hauled" Kurs theoretisch optimal, aber oft langsam und driftanfällig. Das Segeln auf einem "Close Reach" Kurs bietet die notwendige Kraft, um das Schiff von der Gefahr wegzubewegen. Die Crew könnte ankündigen: "Wir segeln auf einen "Close Reach" Kurs, um Geschwindigkeit aufzubauen", was signalisiert, dass die Priorität von einem hohen Anlufer zu einem maximalen Auftrieb und Vortrieb verlagert wurde.

Häufige Missverständnisse

Ein häufiges Missverständnis unter unerfahrenen Seglern ist die Verwechslung eines "Close Reach" Kurses mit einem "Close-Hauled" Kurs. Obwohl beide das Segeln zum Wind beinhalten, ist "Close-Hauled" die absolute Grenze der Fähigkeit des Bootes, gegen den Wind zu segeln, was oft zu einem "eingeklemmten" Gefühl und einer geringeren Geschwindigkeit führt. Ein "Close Reach" ist ein "aufgeladener" Zustand, in dem die Segel mit maximaler Effizienz arbeiten. Eine weitere Verwechslung besteht mit dem Begriff "aufwindstark", der die Konstruktionsfähigkeit eines Schiffes (wie hoch es segeln kann) beschreibt und nicht einen bestimmten Segelwinkel wie "Close Reach".

Sicherheit und betriebliche Bedeutung

Die Beherrschung des "Close Reach" Kurses ist sowohl für die Sicherheit als auch für die Leistung von entscheidender Bedeutung. In der Praxis ist es der bevorzugte Segelwinkel für Manöver zur Bergung von Menschen über Bord, insbesondere für die "Acht"- oder "Schnellstopp"-Methoden, da er es dem Schiff ermöglicht, schnell abzufallen, um Geschwindigkeit aufzubauen, und dann wieder anzulaufen, um die Person unter Kontrolle zu erreichen. Die Sicherheit wird auch durch die Verringerung der extremen Krängungswinkel erhöht, die beim "Close-Hauled" Segeln auftreten, wodurch das Risiko von versehentlichen Gyben oder Kentern verringert wird. Darüber hinaus ist das Verständnis dieses Segelwinkels wichtig für die Berechnung der "Abdrift" – der seitlichen Drift des Bootes. Auf einem "Close Reach" Kurs ist die Abdrift im Vergleich zum "Close-Hauled" Kurs minimal, was die Navigationsberechnungen genauer macht.

Fazit

Der "Close Reach" Kurs stellt einen optimalen Punkt in der Segeldynamik dar und bietet eine harmonische Mischung aus Geschwindigkeit, Kontrolle und Fortschritt gegen den Wind. Er ist ein wichtiges Werkzeug im Arsenal eines Skippers und ermöglicht taktische Anpassungen bei wechselndem Wetter und sorgt für eine sichere Durchfahrt durch überfüllte oder gefährliche Gewässer. Indem Segler diesen Segelwinkel von "Close-Hauled" unterscheiden und den erforderlichen aerodynamischen Trimm beherrschen, können sie die Leistung ihrer Yacht optimieren und sicherstellen, dass jede Fahrt mit Präzision und Fachwissen durchgeführt wird.